Théâtre de la Concorde, Champs-Élysées, Paris, Frankreich.
Wiege der Welt ist eine immersive Installation panoramischer Malerei.
Das Werk besteht aus sieben bemalten Lattenrosten, die an geflochtenen Seilen hängen. Es konfrontiert die Betrachtenden mit den Folgen des Plantationozäns und seiner neokolonialen Praktiken für den heutigen Zustand der Welt. Auf die Latten sind Tiere und Völker aus europäischen Kolonien oder ehemaligen Kolonien gemalt, die heute ökologische und menschliche Verwüstungen erleiden.
Jedes der sieben Bilder trägt eine Dringlichkeit in sich. Calliste superbe beleuchtet die Bedrohung dieses Vogels des Amazonas-Regenwalds. Madagascar untersucht die Folgen der Umweltzerstörung auf der Insel. Terra zeigt die Tragödie indigener Völker angesichts der Regierungspolitik. Exode stellt die Zwangsvertreibung von Gemeinschaften dar. Mariana prangert die Folgen der Dammbrüche an. Mayotte macht den andauernden Ökozid auf diesem Archipel sichtbar. Papillons de jour schließlich erinnert an das Verschwinden dieser Insekten in Frankreich.
Hinter den Lattenrosten lässt die Klanginstallation von Alonso Martinez den Amazonas-Regenwald hören.
Technische Angaben
Titel Wiege der Welt (Berceau du Monde)
Jahr 2023
Technik Acryl auf Lattenrosten, Bootslack, geflochtene Seile, Klanginstallation
Maße Lattenroste à 160 × 200 cm, variable Installation
Konzept Daniel Nicolaevsky
Assistenz Anthony Clergue, Marcelo Porto, Eliote Bizarro-Huynh, Melina Barbault, Pabllo & Pixel
Klanggestaltung Alonso Martinez
Produktion Résidence Fabrique, Fondation Fiminco, Romainville, 2023
Präsentationen
2023 Odyssées Urbaines, Fondation Fiminco, Romainville
2023 Le Rêve d’Iroko, Galerie du Crous, Paris
2023 Art-o-Rama - Cable Dépôt, Friche la Belle de Mai, Marseille
2024 En Circuits Courts, Centre Tignous d’Art Contemporain, Montreuil
2025 Théâtre de la Concorde, Paris
Ausstellungsansichten
Kritischer Text
„Über die bloße ästhetische und praktische Aufwertung von Alltagsgegenständen hinaus verleiht der Künstler den Objekten einen politischen Wert und vermittelt eine bürgerschaftliche Botschaft ökologischer Verantwortung: Er konsumiert nicht übermäßig und produziert nichts Neues, sondern passt seine Praxis an die Ressourcen an, die uns der Planet noch bieten kann. Diese Überlegungen gehören zum Konzept der Kreislaufwirtschaft ‚Cradle to Cradle‘, auf Deutsch ‚von der Wiege zur Wiege‘. Wenn Daniel Nicolaevsky Maria ein hochsymbolisches Porträt auf die Latten einer auf der Straße gefundenen Wiege malt, entfaltet die Metapher ihre ganze Resonanz.
Das Werk aus sieben bemalten Lattenrosten, die an geflochtenen Seilen hängen, konfrontiert die Betrachtenden mit den Folgen des Plantationozäns und seiner neokolonialen Praktiken für den heutigen Zustand der Welt. Auf die Latten sind Tiere und Völker gemalt, die für den tropischen Dschungel und für die europäischen Kolonien oder ehemaligen Kolonien stehen, die heute ökologische und menschliche Verwüstungen erleiden. In dieser immersiven Installation wird das Publikum eingeladen, hinter die Lattenroste zu treten und über den Klang des Amazonas-Regenwalds den scharfen Gegensatz zu spüren zwischen dem größten Reservoir an Biodiversität unseres Planeten und den Bedrohungen, die Erderwärmung, Goldwäscherei und Abholzung für ihn bedeuten. Mit diesem Werk entfaltet der Ausdruck ‚von der Wiege zur Wiege‘ seine ganze Resonanz.“
Isabelle de Maison Rouge, Kunstkritikerin, 2024, aus dem Französischen übersetzt